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Von Hilmar Kranenberg im Bereich Kirche.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext führt uns auf eine Hochzeitsfeier. Bestimmt kennen Sie diese Erzählung aus dem Johannesevangelium.

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh 2,1-11)

Wie schön, eine Hochzeit! Damals in Galiläa war es bestimmt so wie heute auch noch: Alles soll perfekt sein, damit man diesen Tag in denkwürdiger Erinnerung behält. Ein rauschendes Fest mit vielen frohen Gästen, die hoffentlich noch lange davon schwärmen. Und dann das: Der Wein geht aus! Peinlich, peinlich... Alle vorausschauende Planung, alles Bemühen hat anscheinend nichts genützt: Der Wein reicht nicht aus! Was für eine Blamage für die Familie. Und das, wo damals die ganze Großfamilie und auch das ganze Dorf eingeladen war und sich alle auf eine ausschweifende Feier freuten.

Wahrscheinlich haben Sie auch schon von solchen Pannen gehört oder sie miterlebt. Das Hochzeitsessen, das nicht schmeckt oder kalt serviert wurde, die zu spät gekommene Verwandtschaft, Streit über die Sitzordnung, Ärger über den Fotografen, weil immer Schatten auf den Gesichtern liegen bis hin zur Scheidung nach wenigen Monaten. Je mehr beachtet werden muss, um so größer die Ansprüche und Erwartungen sind, desto mehr kann auch schief gehen.

So eben auch hier, wo sicherlich auch schon viele Wochen im Voraus mit den Vorbereitungen begonnen wurde: Es reicht nicht. Der Wein geht aus bei der Hochzeit zu Kana. Jüdische Hochzeiten sind ohne Wein nicht vorstellbar. Wein in Fülle, das ist nicht nur das traditionelle Festgetränk, sondern auch ein Bild für das ewige Freudenmahl bei Gott, und so darf er bei einer Hochzeit nicht fehlen. Ausreichend Essen und Trinken gehören zu einer Hochzeit einfach dazu. Doch hier ist das Schlimme passiert: Der Wein geht aus.

Wie gut, dass Maria, die Mutter Jesu, da ist. Sie fühlt sich verantwortlich und handelt. Vielleicht ist sie eine Verwandte des Brautpaars, wir wissen es nicht. Auf jeden Fall weiß sie, was zu tun ist. Sie geht zu ihrem Sohn und sagt: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Hinter dieser Aussage steht natürlich eine Aufforderung: Tu was dagegen! Dahinter steht auch die unausgesprochene Erwartung, dass Jesus das irgendwie kann. Wenn das doch immer so einfach wäre! Wie verlockend ist die Vorstellung, dass jemand die Sache in die Hand nimmt, die gerade gründlich schief geht. Dass die Krüge wieder voll sind, der Mangel beseitigt wird, die fröhliche Feier weiter gehen kann, ohne dass es die Gäste überhaupt merken. Doch Jesus spielt nicht mit: „Was geht's dich an, Frau, was ich tue?“ Schroff weist er seine Mutter zurück. Jesus beseitigt nicht einfach den Mangel, und schon gar nicht auf Kommando. Er lässt sich nicht für die Zwecke der anderen einspannen, mag das auch noch so peinlich, der Anlass auch noch so wichtig sein. Eine Problemlösung auf Wunsch, aber sofort – so einfach ist das bei Jesus nicht.

„Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Das klingt rätselhaft, denn wann soll er helfen, wenn nicht jetzt, in diesem Moment der großen Blamage der Familien? Doch im Johannesevangelium ist die Stunde Jesu nicht die momentane Not, sondern seine Todesstunde. Dann erkennt die Welt, dass Jesus ganz unten und gleichzeitig ganz oben ist, da ist alles vollbracht. Also was denn jetzt: Warten bis zur Kreuzigung, wo doch jetzt die Feier stattfindet? Sollen die Gäste enttäuscht nach Hause gehen, die Familien blamiert zurückbleiben? Nein, so ist es dann doch nicht, auch wenn Jesus zunächst einmal so spricht. Denn diese Hochzeitsfeier ist ein Beispiel, sozusagen ein Appetithappen, der Lust machen soll auf mehr. Es ist mehr als nur eine Dorfhochzeit irgendwo in der Provinz. Die Freude über die Herrlichkeit, über die Auferstehung Jesu, sie ist hier bereits vorweggenommen in der Hochzeit zu Kana. Das Heil der Welt ist angebrochen, denn Jesus ist da. Deshalb verwandelt Jesus Wasser zu Wein, nicht um das Fest zu retten. So werden die Krüge voller Wasser, welches für die Reinigung gedacht war, zu Krügen voller Wein. Es geht ziemlich viel Wasser in die Krüge, mehrere hundert Liter werden es wohl gewesen sein.

Das Wasser, also der Alltag, wird zum kostbaren Wein, zum Festgetränk. Der Speisemeister ist verwundert, so guten Wein gibt es auf einmal und das, wo doch schon einige angetrunken sind. Auch gut, was soll's, das Fest geht weiter! Sonst fragt keiner nach, wahrscheinlich hat es auch keiner mitbekommen. Das wäre auch ganz im Sinne der Familie, die so die Blamage umgeht.

Wir heute wissen woher der Wein kommt und so fragen wir nach, wollen der Sache auf den Grund gehen oder den Haken dabei finden. Zuerst ziert sich Jesus, dann macht er doch was Maria wollte. Der Wein ist wieder da, guter Wein sogar, das Fest geht weiter, den Gästen kann es egal sein woher der Wein kommt, Hauptsache er schmeckt.

Vielleicht war es ja den Gästen egal, aber dem Evangelisten Johannes nicht, sonst hätte er die Geschichte anders erzählt. Für Johannes ist wichtig: Jesus ersetzt den Mangel durch Fülle. Ja mehr noch, denn es ist kein Austausch, sondern eine deutliche Verbesserung. Aus Wasser, das Unreines abwäscht, ist nun kostbarer Wein geworden. Nicht zur äußerlichen Anwendung, nein, zum Trinken, zum Genießen. Die Fülle und Herrlichkeit Gottes ist spürbar im fröhlichen Fest, bei der Hochzeit. Der Alltag wird zum Fest, denn Jesus ist da.

Eine schöne Geschichte und nicht ohne Grund steht sie ganz vorne im Johannesevangelium. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Damit wird von Beginn an deutlich gemacht, wie die Leserinnen und Leser des Evangeliums das Wirken Jesu verstehen sollen: Als eine Vorwegnahme des Himmels auf der Erde, wenigstens ein bisschen davon. Solange Jesus da ist, feiern wir ein Fest, spüren wir den Himmel, der auf die Erde gekommen ist. So gesehen ist das auch eine Erinnerung an das Weihnachtsfest. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende, nur weil genügend Wein vorhanden ist und die Hochzeitsfeier weitergehen kann. Sie geht immer weiter, bis zu uns heute. Auch wir feiern diese Hochzeit zu Kana mit. Seine Jünger glaubten an ihn, so endet dieser Abschnitt.

Es geht nämlich gar nicht mehr um die Hochzeitsgäste, um Braut und Bräutigam. Wir lesen auch nichts darüber, wie das Fest weiterging und ob diese Weinmenge nun ausreichte. Davon ist auszugehen. Aber letzten Endes ist die Hochzeit nicht der Kern der Erzählung, sondern sozusagen nur die Kulisse für das eigentliche Stück. Wir erfahren ja noch nicht einmal, wer denn da geheiratet hat. Es geht nicht um Braut und Bräutigam, es geht um Jesu Jünger, also auch um uns. Denn die Perspektive, aus der erzählt wird, ist die der Jünger. Jesus zeigte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn. Das ist ein zweites Wunder, eine zweite Verwandlung. Hier verwandelt Jesus Menschen. Aus ihrem Alltag sind sie herausgenommen, sind gefüllt mit Glaube, Hoffnung und Liebe, man könnte auch sagen, gefüllt mit dem Heiligen Geist.

Das ist nicht einfach nur ein bisschen mehr als vorher, eine kleine Änderung. Es geht nicht um die Beseitigung eines Mangels bei den Jüngern, als ob sie vorher nichts wert gewesen wären. Genausowenig wie Jesus nicht Einkaufen geht oder die Jünger schickt, um Wein zu besorgen, sondern das Vorhandene verwandelt. Weil Jesus da ist bricht etwas ganz Neues an. Menschen werden verwandelt, weil sie die Herrlichkeit Jesu und somit auch die Herrlichkeit Gottes erkennen. Verwandlung geschieht da, wo Menschen der Fülle begegnen, der Herrlichkeit Gottes. Menschen begegnen Jesus und indem sie an ihn glauben werden sie mit hineingenommen in Gottes Herrlichkeit, feiern mit beim großen Fest Gottes. Das steht hinter dieser Geschichte: Jesus ist kommen, der Grund ewiger Freude, wie es in dem alten Lied heißt.

Und warum braucht es dazu so ein Wunder? fragen Sie sich jetzt vielleicht. Reicht es nicht, wenn der Heilige Geist die Menschen einfach so erfasst, vielleicht durch eine packende Predigt Jesu?

Nicht alles lässt sich mit Worten ausdrücken. Es gibt Dinge, die sagen mehr als tausend Worte. Ein liebevoller Blick oder eine stürmische Umarmung bewirken viel mehr als so manche vollmundige Liebeserklärung. Mit Taten, nicht mit Worten, wird das Leben in all seiner Fülle spürbar. Deshalb gibt es bei den Sakramenten ja auch etwas zu sehen und zu spüren. Das Wort erklärt es, aber das Element – Wasser bei der Taufe, Brot und Wein beim Abendmahl - macht es erfahrbar. Spürbar wie ein Schluck Wein auf der Zunge. Jesus verwandelt hier Wasser zu Wein, er verwandelt das Leben der Menschen. Es passiert einfach, die Diener schöpften aus den Krügen, und sie schöpften den Wein, nicht das Wasser. Verwandlung lässt sich nicht herbeireden, sie passiert unbeschreiblich, unerklärlich. Unsere Suche nach passenden Worten würde nichts bringen, denn die Fülle, die Herrlichkeit ist nicht zu beschreiben, sie ist spürbar mit allen Sinnen.

Seine Jünger glaubten an ihn. Wir glauben an Jesus Christus, der uns verwandelt, weil wir so wertvoll und kostbar sind, dass er sogar sein Leben hingibt für uns. Von dieser Fülle können und sollen wir leben. Auch in Zeiten, wo uns etwas fehlt. Fülle statt Mangel durch unseren Glauben. Das kann uns die Kraft geben, uns für das Leben und die Liebe einzusetzen, die Fülle, die in uns ist, zu leben und zu teilen. Aus der Fülle des Glaubens stammt unsere Liebe, unser Engagement. Und wir bekommen diese Kraft, auch in schwierigen Zeiten wie diesen. Wie viele Verlängerungen des Lockdowns drohen uns denn noch? Wann verliert das Virus endlich seinen Schrecken? Wann können wir wieder leben wie wir es gewohnt sind – mit Kontakten, mit Festen und Feiern, mit Leben in der Gemeinschaft, nicht in der Isolation?

Ich weiß es nicht, liebe Gemeinde. Vielleicht haben wir Glück und dürfen und schon in drei, vier Wochen wieder in größeren Gruppen treffen, können bald wieder unsere Gottesdienste mit Gesang und Sakrament feiern. Vielleicht müssen wir auch noch ein gutes halbes Jahr durchhalten, bis genügend von uns geimpft sind und das Virus sich nicht mehr so schnell ausbreiten kann. Das ist lang, doch wir schaffen das, wenn wir Kraft und Hoffnung nicht verlieren. Die Kraft und Hoffnung aber können wir von Jesus bekommen. Auch in Zeiten des Mangels, wo anscheinend nur noch Wasser vorhanden ist, können wir die Herrlichkeit Gottes erahnen. Plötzlich schmeckt das Wasser wie Wein, plötzlich wird aus der Niedergeschlagenheit die Hoffnung, plötzlich verwandeln sich Tränen in Lachen.

Weil wir verwandelt sind, können wir im Glauben leben und das Leben annehmen und feiern, ob im lang vermissten Kreis der Gemeinde oder der hygienisch verordneten Distanz. Die Herrlichkeit Gottes braucht nicht die Nähe der Menschen, sondern die Nähe Jesu. Und der ist da, damals in Kana und auch heute in Drabenderhöhe und Umgebung. Amen

Schlagworte: predigt

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  • Zuletzt geändert: 28.11.2020 13:24
  • von Manuel Krischer