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Neuigkeiten

Von Hilmar Kranenberg im Bereich Kirche.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde!

Normalerweise würde es in diesen Tagen ziemlich bunt, fröhlich und laut in unserem Rheinland zugehen. Wir befinden uns mitten in den Karnevalstagen, die in diesem Jahr ziemlich ruhig sind – keine bunten Kostüme, keine Straßenumzüge und keine Kamelle, kein Alaaf, keine Sitzungen oder Feiern, kein schunkeln.

Und doch möchte ich an diesem letzten Wochenende vor der Passionszeit den Karneval nicht außer Acht lassen, sondern ganz bewusst darauf aufmerksam machen, welche bunte Fröhlichkeit uns in diesen Tagen eigentlich begleiten würde.

Zugegeben: ich selbst bin ein großer Fan der jecken Tage und mir fehlt die Ausübung dieser Tradition in diesem Jahr ziemlich.

Ich stehe zu meiner Karnevalistischen Vorliebe, schließlich ist sie ein Teil meiner Person. Viele tolle unvergessliche, einzigartige und vor allem glückliche Momente in meinem Leben und mit anderen Menschen, habe ich tatsächlich dem Karneval zu verdanken.

Und doch stelle ich mir immer wieder im Stillen die Frage, ob der Karneval und die Kirche überhaupt zusammen passen und ob ich in meiner beruflichen Rolle als Diakonin nicht vielleicht an der ein oder anderen Stelle zurückhaltender sein sollte was das „Jeck sein“ angeht.

Kann ich Gott trotz Pappnas` ehrenvoll begegnen ohne mein eigenes Gesicht zu verlieren?

Darf man sich eigentlich trotz so vielem Leid auf der Welt – trotz aller schlimmen Krankheiten, den ganzen Krisen und Kriegen, den unzähligen Schicksalsschlägen die Menschen jeden Tag in ihrem Leben erfahren müssen und dem Tod, trotz dem großen Hunger, dem Elend und der Armut in vielen Teilen dieser Welt,- dürfen wir trotz allem als Christen feiern, tanzen und glücklich sein?

Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche hat uns Christen ja mal vorgeworfen, dass wir unglaubwürdig sind, weil wir immer so ernst gucken würden.

Demnach müssten gerade wir Christen noch viel mehr lachen und noch viel öfter feiern.

Zugegeben, ist das zumindest in diesen Corona-Zeiten mit dem Feiern, lachen, tanzen und glücklich sein nicht unbedingt einfach. Schon gar nicht mit vielen Leuten zusammen, von öffentlichen Veranstaltungen ganz zu schweigen.

In der Bibel kommt Karneval nicht vor und hat trotzdem einen christlichen Ursprung. Karneval hängt mit der Fastenzeit vor Ostern eng zusammen. Bevor im Angesicht des Todes Jesu am Kreuz gefastet wurde, durfte nochmal so richtig gefeiert werden.

Die Bibel zeigt uns, dass Jesus gerne feierte und sich das Feiern auch nicht hat verbieten lassen. Die Geschichte von der Hochzeit zu Kanaa aus dem Johannesevangelium zeigt uns dies besonders eindrücklich – hier vollbrachte Jesus das erste seiner vielen Wunder. Und die Jünger glaubten an ihn. Die Hochzeit von Kanaa ist eine Vorschau auf das, was uns im Reich Gottes erwartet – auf das was mit Jesu Tod und Auferstehung angebrochen ist. Nach seinem Tod am Kreuz können die Jünger wieder hoffen und sich freuen – denn Jesus lebt. Und so geht es weiter für sie und ihre Nachfolge. Ebenso wie es durch das Wunder von Jesu auf der Hochzeit weitergeht. Er wandelt das Wasser zu Wein – und das Fest geht weiter. Das Fest, das zum Sinnbild des Reiches Gottes wird, ist nicht zu Ende. Sondern es scheint gerade erst richtig los zu gehen. Jesus schenkt die Gemeinschaft, er beschenkt uns im Überfluss damals wie auch heute und es wird uns an nichts mangeln, dank ihm.

An diesem Wochenende ist der letzte Sonntag vor der Passionszeit. Am kommenden Mittwoch startet die Fastenzeit.

Unser heutiger Predigttext lädt ein sich mit dem Propheten Jesaja Gedanken zum Thema Fasten zu machen. Wir hören so folgende Worte:

Das wahre Fasten

581Ruf, so laut du kannst, halt dich nicht zurück! Lass deine Stimme erschallen wie ein Widderhorn! Halt meinem Volk seine Verbrechen vor, den Nachkommen Jakobs ihre Vergehen.2Sie befragen mich Tag für Tag und wollen wissen, was mein Wille ist. Als wären sie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht missachtet! Sie fordern von mir gerechte Entscheidungen und wollen, dass ich ihnen nahe bin.3Und dann fragen sie mich: Warum achtest du nicht darauf, wenn wir fasten? Warum bemerkst du nicht, wie wir uns quälen? Ich antworte: Was tut ihr denn an den Fastentagen? Ihr geht euren Geschäften nach und treibt eure Untergebenen zur Arbeit an!4Ihr fastet nur, um Zank und Streit anzuzetteln und mit roher Gewalt zuzuschlagen. So wie ihr jetzt fastet, findet eure Stimme im Himmel kein Gehör.5Meint ihr, dass ich ein solches Fasten liebe? Wenn Menschen sich quälen, den Kopf hängen lassen wie umgeknicktes Schilf und in Sack und Asche gehen? Nennst du das Fasten, einen Tag, der dem Herrn gefällt?

6Das wäre ein Fasten, wie ich es liebe: Löst die Fesseln der zu Unrecht Gefangenen, bindet ihr drückendes Joch los! Lasst die Misshandelten frei und macht jeder Unterdrückung ein Ende!7Teil dein Brot mit dem Hungrigen, nimm die Armen und Obdachlosen ins Haus auf. Wenn du einen nackt siehst ,bekleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Nächsten!8Dann bricht dein Licht hervor wie die Morgenröte, und deine Heilung schreitet schnell voran. Deine Gerechtigkeit zieht vor dir her, und die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.

Mit diesen Worten erteilt Gott dem Propheten Jesaja mal wieder einen ziemlich schweren Auftrag: er soll dem Volk Israel eine tadelnde Predigt vom Feinsten halten. Für Jesaja ist dies ja nicht unbedingt etwas Neues – und doch fühlt er sich ziemlich unwohl bei dem Gedanken an das, was Gott da von ihm erwartet. Die Menschen denen das prophetische Donnerwetter von Jesaja droht, machen nämlich eigentlich in Sachen Glauben alles richtig. Es sind fromme Leute, die sich an die Regeln halten, an den dafür vorgesehenen Tagen fasten und sich das Leben sicher nicht leicht machen. Genau für diese Menschen empfindet Jesaja Wertschätzung.

„Ruf, so laut du kannst, halt dich nicht zurück! Lass deine Stimme erschallen wie ein Widderhorn! Halt meinem Volk seine Verbrechen vor, den Nachkommen Jakobs ihre Vergehen.2Sie befragen mich Tag für Tag und wollen wissen, was mein Wille ist. Als wären sie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das Recht seines Gottes nicht missachtet! Sie fordern von mir gerechte Entscheidungen und wollen, dass ich ihnen nahe bin.“

Die Worte Gottes lassen erahnen, dass die Menschen die eigentlich alles richtig machen, dann doch irgendwie alles falsch machen. Jesaja erahnt schon, dass er mit ganz schön Gegenwind seiner Gemeinde zu rechnen hat und ist sich sicher, dass die Menschen diese Worte nicht einfach so auf sich sitzen lassen werden. Trotz dem Widerstand der Menschen lässt sich deutlich heraus hören: sie haben richtig gefastet, aber dennoch falsch gelebt. Und damit ist die Botschaft Gottes auch für uns heute noch klar zu verstehen: Wenn ihr euer Leben nicht in den Einklang mit dem Fasten bringt, ist das was ihr tut, euer ganzer Verzicht, nichts wert. Auf die Bibelstelle bezogen heißt das: Man kann nicht fromme Dinge mit der Unterdrückung seiner eigenen Angestellten kombinieren und so macht Gott ganz klar, wie das Fasten zu verstehen ist:

Wenn Fasten zur eigenen Qual wird und man es nur tut um vor Gott selbst gut dazu stehen, ist es falsch.

Richtiges Fasten hingegen ist, wenn man Unrecht wieder gut macht, Hungrigen etwas zu essen gibt, die Bedürftigen mit ihren Sorgen im Blick hat – kurz wenn man der Barmherzigkeit und Nächstenliebe einen festen Platz in seinem Leben gibt.

Das ist die Form des Fastens, die Gott gefällt. Fasten ohne Hintergedanken.

Das Fasten ist auch heute noch in aller Munde. Unzählige Ratgeber, Detox-Kuren, Apps, Rezepte begleiten viele Menschen in ihrer persönlichen Fastenzeit. Auch ich kenne viele Menschen, die fasten – darunter auch viele sehr junge Leute. Der sechswöchige Verzicht auf Schokolade, Chips oder Alkohol nach Karneval ist jedes Jahr auch Thema bei uns in der Jugendarbeit. Selbst unsere Jungscharkinder üben sich darin, bestimmte Dinge in ihrem so jungen Leben, für eine gewisse Zeit beiseite zu schieben. Ich persönlich finde diese selbstgesteckten Ziele immer wieder spannend und freue mich jedes Jahr darüber, diese individuellen Fastenzeiten am Rande mit begleiten zu können. Schließlich steckt hinter jedem Fasten ein ganz persönliches Bedürfnis, dass in jedem Falle immer ernst zu nehmen ist.

Durch Jesaja werden wir aufgefordert unser tägliches Handeln zu überprüfen und unser Spiegelbild genau anzuschauen. Dann steht unser Sein auf dieser Welt im Einklang mit unseren Handlungen – ganz egal ob wir ganz bewusst fasten oder eben nicht.

Und so komme ich wieder zu meinen Fragen zu Anfang zurück:

Kann ich Gott trotz Pappnas` ehrenvoll begegnen ohne mein eigenes Gesicht zu verlieren?

Darf man sich eigentlich trotz so vielem Leid auf der Welt – trotz aller schlimmen Krankheiten, den ganzen Krisen und Kriegen, den unzähligen Schicksalsschlägen die Menschen jeden Tag in ihrem Leben erfahren müssen und dem Tod, trotz dem großen Hunger, dem Elend und der Armut in vielen Teilen dieser Welt,- dürfen wir trotz allem als Christen feiern, tanzen und glücklich sein?

Ich sage JA! Wir Christen haben allen Grund uns zu freuen und zu feiern. Wir feiern ja nicht um jemanden anderen zu schaden oder erfreuen uns nicht etwa am Leid anderer. Nein, wir feiern miteinander und genießen die Gemeinschaft. Und JA, vielleicht freuen wir uns auch einfach ab und zu darüber laut und sichtbar, dass es uns gut geht, darüber dass wir gesund sind. Ist das aber nicht auch unser gutes Recht? Nicht nur weil wir Christen sind, sondern eben auch einfach Menschen.

Gott schenkt uns das Leben über den Tod hinaus – meiner Meinung nach ist das der größte Grund um sich zu freuen.

Wir wissen alle um die schlimmen, traurigen, beängstigende Dinge auf unserer Welt allzu gut Bescheid. Da kann man schon mal das Lachen zu recht verlieren. Gott lässt uns aber nicht alleine. Auch im Leid ist er uns nahe und will uns zurück ins Leben führen. Wir haben die Hoffnung, dass nach allem Schlimmen immer etwas Gutes auf uns wartet. Und so haben wir allen Grund zur Freude und es steht uns auch zu uns aus tiefstem Herzen freuen zu dürfen und zu feiern – auch wenn es wie dieses Jahr anders zu Karneval als sonst ist.

Unseren Kindern und Familien im Ort, die sich an unserem kunterbunten Konfettibaum am Gemeindehaus eine Tüte „Karneval to Go“ abholen dürfen, haben wir sehr ans Herz gelegt auch in diesem Jahr die Kühe fliegen zu lassen und den Schafen die Locken aus dem Fell zu ziehen zwar Zuhause und nur im Kreise der Familie – aber ja, unsere kleinen und auch die großen Kinder Gottes sollen nicht nur in diesen Tagen tanzen, schunkeln, lachen, sich von Herzen freuen und feiern – sondern wann immer es nur geht. Das Leben ist zu kurz um in Traurigkeit gefangen zu bleiben.

Karneval 2021 ist anders als wir es kennen und doch ist es bei allem was wir in dieser Zeit machen nur wichtig, was ist unseren Herzen passiert.

Karneval – Fasten – Barmherzigkeit – Nächstenliebe sind für mich in diesem Quartett der Inbegriff der Freude und der Hoffnung.

Und all das bekommen wir von Gott und seinem Sohn Jesus Christus jeden Tag aufs Neue geschenkt. Das dürfen wir natürlich feiern – immer und überall; so laut wie wir möchten!

Amen

Schlagworte: predigt

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  • Zuletzt geändert: 28.11.2020 13:24
  • von Manuel Krischer