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Neuigkeiten

Von Hilmar Kranenberg im Bereich Kirche.

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde „Sieben Uhr. Der Himmel hat die Augen noch nicht aufgemacht. Was ich vermisse: Die Spannung in einem Konzertsaal, bevor der erste Ton einsetzt. Tatort schauen in großer Runde. Mich in einer Gruppe verlieren und gleichzeitig aufgehoben fühlen. Arglos sein. Abstand als Wahlmöglichkeit, nicht als Pflicht. Den Geruch von Staub und Popcorn im Dunkel eines Kinosaals. Heute Nacht träumte ich sogar, zwei Menschen zu umarmen. Willkommen in der Fastenzeit. Habe ich dafür eigentlich geübt mit dem jährlichen Schokoladenverzicht? Ist das jetzt der Ernstfall? Das Glück schickt Leuchtzeichen: gelbe Bettwäsche, Tulpen die alles geben. Zoom. Siebenmeilenstiefel für all die Spaziergänge zwischen Deich und geschlossenen Cafés. Draußen bleibt es jeden Tag vier Minuten länger hell. Innendrin lasse ich das Licht an.“

Liebe Gemeinde,

mit diesen Worten von Susanne Niemeyer möchte ich meine heutige Predigt eröffnen und Sie alle dazu einladen, sich von diesem Text mitnehmen zu lassen. Ein Text der mir aus der Seele spricht und für mich den Nagel auf den Kopf trifft. Susanne Niemeyer spricht sehr ehrlich das Belastende, ihre eigenen Sehnsüchte in dieser Zeit an und endet doch mit Gedanken der Hoffnung.

Wir befinden uns mit dem vierten Sonntag in der Passionszeit in der Mitte auf dem Weg in Richtung Ostern – sozusagen ist an diesem Wochenende Halbzeit. Kein Wunder also, dass auch in den Texten dieses Sonntages schon deutlich die Hoffnung auf das neue Leben eine große Rolle spielt. Das neue Leben gelangt zu Ostern zur Vollendung.

Für mich sind die Worte von Susanne Niemeyer und die Aussicht auf Hoffnung sehr eng bei unserem heutigen Predigttext, den wir schon in der Schriftlesung hören durften.

Die Ankündigung der Verherrlichung

20Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

So sind wir mitten drin in den Geschehnissen in Jerusalem. Jesus Christus steht dort auf den Plätzen wo reges und buntes Treiben herrscht. Sehr viele Menschen sind unterwegs und wollen Jesus sehen. Die Stimmung im Volk ist fröhlich und ausgelassen und dann spricht Jesus diese rätselhaften Worte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein…“

In die Fröhlichkeit dringt plötzlich Bitterkeit. Schmerzen und Leid rücken in den Vordergrund; Jesus drückt seine Einsamkeit schon hier aus und wir alle wissen genau was ihm bevorstehen wird. Er wird verraten und verlassen. Nach größten Erniedrigungen, Schlägen und Peitschen hieben durch die Soldaten von Pontius Pilatus, Schmerzen und in größter Verzweiflung stirbt Jesus Christus am Kreuz.

Das was für uns seit einem Jahr leider zu einer gewissen Normalität geworden ist und unsere Herzen schwer macht, erlebt auch Jesus Christus: die Einsamkeit. Unsere gewohnte Normalität, das Zusammensein mit anderen Menschen, fröhliche Menschenansammlungen wie zum Beispiel auch zu den damaligen Reden von Jesus Christus, geraten immer mehr in unseren Köpfen in Vergessenheit.

Was macht die Einsamkeit mit Dir? Welche Auswirkungen hat dieses Alleine-Sein auf dein Leben?

Jeder von uns hat seine ganz eigene Geschichte mit diesem Thema. Wenn die Einsamkeit durch den Abstand zur Pflicht wird, so wie Susanne Niemeyer schreibt, dann entstehen automatisch enge Grenzen in unserem Sein auf dieser Welt.

Das Alleinsein tut uns Menschen nicht gut. Das was wir alle schon längst wissen, steht schon in der Schöpfungsgeschichte geschrieben: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“

Selten haben diese Worte in der Menschheitsgeschichte eine solche Bedeutung gehabt, wie in der gegenwärtigen Zeit. Unser öffentlichen Leben liegt weiterhin im Dornröschenschlaf und wartet so sehr darauf wieder zum Leben erweckt zu werden. Gerade in dieser vorösterlichen Hoffnung, ist mir persönlich sehr nach einem Miteinander, nach echten Begegnungen, nach Wärme und Freude zu Mute. Ich möchte von Herzen gerne endlich wieder auf etwas Besonderes oder ein Ereignis hin fiebern dürfen – mich so richtig auf etwas freuen können.

Dann holt mich die Realität doch schnell wieder ein und all meine Hoffnungen ersticken im Keim, wenn ich die Inzidenzwerte, Schlagzeilen und Nachrichten verfolge. Dann ist von der Hoffnung plötzlich keine Spur mehr und der Corona-Blues hat mich mal wieder voll gepackt. In diesen Momenten fühle ich mich glaube ich so ähnlich, wie Jesus sich gefühlt haben muss – nämlich ganz alleine.

Auf den belebten Straßen Jerusalems spricht Jesus unsere größte Angst offen aus – ganz alleine zu sein. Und doch schwingt da diese Hoffnung mit in seinen Worten:

24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

In all dieser Traurigkeit und Einsamkeit sind da diese Worte voller Trost. Es noch lange nicht vorbei, wenn wir von dieser Erde gehen.

Jesus Christus, das Weizenkorn, ist die Hilfe die Gott uns schenkt. Das Korn, durch das der Tod seine ängstingende Kraft verliert. Aus diesem Korn erwächst neues Leben. Wir alle sind die Frucht aus diesem Korn, liebe Gemeinde. Wir selber sind der Keim der Hoffnung. Unsere Frucht kann andere sättigen und heilen. Wir können jedem Menschen, der uns begegnet das Gefühl geben nicht alleine zu sein.

Es ist ein Zeichen des Lebens, wenn wir uns gegenseitig anschauen, unsere Herzen füreinander öffnen, von unserem Glauben und unserer Hoffnung erzählen. Es ist ein Zeichen des Lebens, wenn wir uns unter unseren Masken anlächeln und uns in unseren Gedanken umarmen.

So ist die diesjährige Passionszeit Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit für uns alle.

Achten Sie doch darauf, liebe Gemeinde, wie jeden Tag alles etwas grüner wird; wie immer mehr die Blumen das blühen anfangen und ihren Duft verbreiten; dass die Vögel aus dem Süden zu uns nach und nach zurückkehren und unseren Himmel mit Leben füllen; dass die Sonnenstrahlen stärker werden. Genießen Sie den Duft des Frühlings und freuen Sie sich daran, dass unsere Welt von Tag zu Tag wieder bunter wird und die Tage heller.

Schöpfen wir Kraft bei dem, der wirklich Kraft gibt. Verlassen wir uns auf den, der uns niemals im Stich lässt. Lassen wir uns in die große Gemeinschaft der Menschen hinein nehmen, die Jesus Christus folgen und ihm dienen.

So bringt Jesus Christus Frucht für uns: wenn er am Kreuz stirbt und wie ein Weizenkorn in der Erde begraben wird. Und so wie ein Weizenkorn nicht einfach nur da liegt, sondern zu einem neuen Leben erwächst – so bleibt auch Jesus Christus nicht im Tod, sondern durchbricht den Tod zum ewigen Leben.

„Innendrin lasse ich das Licht an.“ Mit dem letzten Satz aus dem Text von Susanne Niemeyer, schließe ich auch meine Predigt.

Lassen Sie das Licht in Ihren Herzen an, liebe Gemeinde. Diese Gabe wünsche ich uns allen sehr – um Kräfte zu sammeln, um hoffnungsvoll nach vorne zu sehen; dass eigene Herz leuchten zu lassen für andere, aber auch für sich selber; sich auf Ostern einzustimmen und das Licht der Hoffnung und der Liebe in die Welt zu tragen.

„ Innendrin lasse ich das Licht an.“ – für Dich, für mich und für uns alle.

Amen.

Schlagworte: predigt

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  • Zuletzt geändert: 28.11.2020 13:24
  • von Manuel Krischer